Die Stimme Ihres Kindes

Ein Verfahrensbeistand wird vom Familiengericht nach § 158 FamFG bestellt, wenn dies erforderlich ist, um die Interessen eines Kindes in einem gerichtlichen Verfahren zu vertreten. In bestimmten Fällen ist die Bestellung gesetzlich vorgeschrieben.

Im gerichtlichen Verfahren bin ich die unabhängige Interessenvertretung Ihres Kindes – oft auch als „Anwalt des Kindes“ bezeichnet. Ich höre Ihrem Kind zu, nehme seine Wünsche und Bedürfnisse wahr und bringe seine Interessen vor Gericht zur Geltung.

Ich erkläre Ihrem Kind den Ablauf des Verfahrens und mögliche Entscheidungen in einer altersgerechten Sprache. Ich führe Gespräche mit den Eltern und weiteren Bezugspersonen und unterstütze, wenn möglich, eine einvernehmliche Lösung. Dabei steht das Wohl Ihres Kindes stets im Mittelpunkt.

 

Verfahrensbeistand – wofür bin ich da?

 

Hallo! Schön, dass du hier bist.

Vielleicht haben deine Eltern gerade Streit. Vielleicht können sie sich nicht einigen, wo du wohnen sollst oder wann du Mama oder Papa sehen kannst.

Manchmal muss ein Familiengericht bei solchen Fragen helfen.

Dabei geht es auch um dich und darum, wie es dir geht und was du möchtest.

Du musst den Streit deiner Eltern nicht lösen. Dafür sind die Erwachsenen verantwortlich.

 

 

Wer bin ich und was mache ich?

Ich bin dein Verfahrensbeistand. Das Gericht hat mich ausgesucht, damit deine Wünsche und deine Interessen im Verfahren nicht vergessen werden.

Du kannst dir mich ein bisschen wie einen Anwalt für Kinder vorstellen. Ich bin dafür da, dir zuzuhören und dem Gericht zu sagen, was dir wichtig ist.

Ich möchte dich kennenlernen und verstehen, wie du die Situation erlebst. Du kannst mir erzählen, was dich freut, was dich traurig macht oder was dir Sorgen bereitet.

Du musst dabei nichts sagen, was du nicht sagen möchtest.

 

Was kannst du mir erzählen?

Vielleicht hast du schon ganz genau überlegt, was du dir wünschst. Vielleicht weißt du aber auch noch gar nicht, was du möchtest.

Beides ist völlig in Ordnung.

Du kannst mir zum Beispiel erzählen:

  • Wie geht es dir gerade?

  • Was findest du an der Situation schwierig?

  • Was wünschst du dir für die nächste Zeit?

  • Was möchtest du, dass deine Eltern oder das Gericht wissen?

Du darfst auch sagen, wenn du etwas nicht weißt oder wenn du dir unsicher bist.

Du musst dich nicht für Mama oder Papa entscheiden. Und du bist nicht schuld daran, wenn deine Eltern streiten.

 

Was passiert mit dem, was du mir erzählst?

Ich höre dir zu und überlege gemeinsam mit dir, was dem Gericht wichtig ist.

Ich erzähle dem Gericht, was du möchtest und wie du die Situation erlebst. Ich erkläre dir auch, was ich dem Gericht mitteilen möchte.

Wenn es hilfreich ist, spreche ich auch mit deinen Eltern oder anderen Menschen, die für dich wichtig sind. Manchmal kann ich dabei helfen, dass deine Eltern besser verstehen, was du brauchst und was dir wichtig ist.

Ich kann dir aber nicht versprechen, dass alles, was du mir erzählst, geheim bleibt. Wenn etwas für das Gericht wichtig ist, kann es sein, dass ich darüber sprechen muss. Wir können gemeinsam darüber reden, was ich weitergeben werde.

 

Wie läuft das mit dem Gericht ab?

Zuerst möchte ich dich kennenlernen. Wir vereinbaren einen Termin und sprechen miteinander. Das kann an einem Ort stattfinden, an dem du dich wohlfühlst.

Ich erkläre dir, worum es bei dem Verfahren geht und was als Nächstes passiert.

Vielleicht möchte die Richterin oder der Richter auch mit dir sprechen. Das nennt man Kindesanhörung.

Bei der Kindesanhörung kannst du erzählen, wie es dir geht und was du dir wünschst. Das Gespräch findet meistens ohne deine Eltern statt. Ich soll in der Regel dabei sein und werde dich begleiten.

Du musst keine Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Die Richterin oder der Richter möchte dich und deine Sicht kennenlernen.

 

Wer entscheidet, was passiert?

Das Familiengericht trifft die Entscheidung. Dabei werden deine Wünsche und deine Interessen berücksichtigt. Je älter du bist und je besser du deine Wünsche erklären kannst, desto mehr Bedeutung kann dein eigener Wille haben.

Es kann sein, dass das Gericht anders entscheidet, als du es dir gewünscht hast. Das bedeutet aber nicht, dass deine Meinung unwichtig war.

Wenn das Gericht entschieden hat, kann ich dir erklären, was beschlossen wurde und was das für dich bedeutet.

 

Du bist wichtig!

Du darfst sagen, was du denkst und fühlst. Du darfst auch deine Meinung ändern.

Du musst dich nicht um deine Eltern kümmern oder dafür sorgen, dass sie sich wieder vertragen.

Ich bin da, um dir zuzuhören und deine Interessen vor Gericht zu vertreten.

 

Hast du Fragen oder Sorgen?

Wenn wir uns kennengelernt haben, kannst du mich bei Fragen oder Sorgen anrufen oder mir schreiben.

Du musst nicht alles auf einmal erzählen. Wir können uns Zeit nehmen.

Deine Meinung zählt. Und du musst damit nicht allein sein.

 

 

Druckversion | Sitemap
© Alif Amiruddin-Scholz